Vorgehensweisen UUX

Wofür sind Prototypen gut?

Übersicht

Prototypen sind in der Produktentwicklung ein wichtiger Bestandteil, um Machbarkeit und Umfang frühzeitig abschätzen zu können. Auch in der Software-Entwicklung sind Prototypen sehr hilfreich, um neben Überprüfung der möglichen Funktionalität auch Zeit und Kosten zu sparen. Da sich Vorgehensweisen mehr agil entwickeln, bekommen auch Prototypen einen anderen Stellenwert. Es gibt unterschiedliche „Reifegrade“ von Prototypen, auf die in diesem Artikel ebenfalls näher eingegangen werden soll.

Mehrwert von Prototypen generell und in der agilen Entwicklung

In der Software-Entwicklung setzen sich zunehmend agile Methoden in der Projektab- und der Produktentwicklung durch. Aus gutem Grund: Nicht nur im Kontext der „Digitalisierung“ und damit verbundenen Vernetzung von Anwendungen wird Software in Struktur und Aufbau immer komplexer. Es gibt mehr Möglichkeiten der Datenerhebung und Verarbeitung, Prozesse in Unternehmen werden digitaler und auch Self-Services auf Kundenseite spielen dabei eine Rolle. Zu jeder Zeit und an jedem Ort (mit der entsprechenden Infrastruktur und verfügbaren technischem Mitteln) sollen Dienste zur Verfügung stehen. Anwendungen werden u.a. dadurch mobiler, was entsprechende Anforderungen an Funktionalität, Oberfläche, Technologie und Erfüllung von Nutzerbedürfnissen durch die Software stellt: Es muss einfach bedienbar sein.

Während vor einigen Jahren noch Lasten- und Pflichtenheft der technischen Entwicklung vorausgingen, wird heute zunehmend iterativ und in kapselbaren Funktionseinheiten entwickelt. Nur so lässt sich angemessen sicherstellen, dass Auftraggeber, Stakeholder und Benutzer kontinuierlich in den Prozess eingebunden und sich verändernde Anforderungen in der laufenden Entwicklung berücksichtigt werden können. Darüber hinaus versetzt es Unternehmen in die Lage, schnell zu agieren und zügig mit Lösungsansätzen in den Markt zu gehen.

Eine gemeinsame Sprache finden

Aus den oben genannten Gründen sind Personen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen zunehmend in den Projektverlauf eingebunden, da bereits ab dem ersten Arbeitspaket alle relevanten Projektteilnehmer (Konzeption, Entwicklung, Testing, fachliche Begleitung, UX, etc.) partizipieren müssen. Da ist es wichtig, eine gemeinsame und zudem einfach und schnell zugängliche „gemeinsame Sprache“ zu finden. Prototypen können hier einen sehr hilfreichen Dienst erweisen, indem sie nachvollziehbar und verständlich Funktionalität und Leistungsumfang einer Software frühzeitig abbilden. Indem Funktionen prototypisch simuliert werden, sind sie für alle Beteiligten nachvollziehbar und nicht zuletzt auch frühzeitig durch Nutzer testbar.

So kann in einem frühen Stadium der Produktentwicklung – noch bevor eine Zeile Code geschrieben wird – überprüft werden, ob die Qualität aus Nutzersicht erreicht und die Anforderungen erfüllt werden. Das erhöht nicht nur die Produktqualität insgesamt, sondern kann auch eine Menge Kosten sparen, da frühzeitig offensichtlich wird, was Benutzer tatsächlich zur Erledigung ihrer Aufgaben benötigen und was ggf. verzichtbare Funktionen und Features sind. Außerdem können Konzepte mit allen Beteiligten frühzeitig gesichtet und optimiert werden. Die textliche Beschreibung in einem Softwarekonzept wird durch Prototypen teilweise, wenn nicht gänzlich ersetzt. So entsteht auch weniger „Interpretations-Spielraum“ darüber, was eigentlich genau mit bestimmten, verbal beschriebenen Spezifikationen gemeint ist.

Arten von Prototypen

Die Detailtiefe von Prototypen kann unterschiedlich sein. Ein Prototyp auf Papier (Paper Prototype) erlaubt eine einfache / rohe / grundlegende Erarbeitung wesentlicher Funktionen und Klickstrecken mithilfe schneller Handskizzen in der korrekten Zielgröße: Bei der Arbeit z. B. mit Smartphone-, Tablet-, Handheld-, und sonstigen Display-Schablonen sieht man sehr schnell, was genau an Inhalten und Funktionen im sichtbaren Bereich darstellbar ist. Das gilt natürlich auch für alle weiteren Eingabe-Medien wie Panels, Automaten oder Maschinen-Steuerungen in der industriellen Produktion. Diese Prototypen können auch gemeinsam mit Benutzern erarbeitet werden und stellen ein schnelles Zielbild der späteren Anwendung mit allen wesentlich erforderlichen Funktionen dar.

Die nächste Ausbaustufe sind sogenannte Wireframes – zu Deutsch „Drahtgitter-Modelle“ – die mit entsprechenden Software-Tools wie beispielsweise Axure oder Balsamiq umgesetzt werden. Sie gehören zu den „low-fidelity Prototypes“. Diese Prototypen zeigen in der Regel noch kein „Look and Feel“ der Anwendung: Auf Farben und Bilder wird in einer ersten Stufe normalerweise verzichtet. Stattdessen wird auf Klickstrecken und Prozessabfolgen fokussiert: Wie bewegt sich der Anwender durch die Software? Welche Inhalte, Hilfestellungen und Funktionen muss er in der jeweiligen Ansicht vorfinden, um seine Arbeitsschritte sinnvoll und fehlerarm umsetzen zu können?

Oftmals wird im Zusammenhang mit Prototypen auch der Begriff „Mock-up“ verwendet. Ein Mock-up ist ein maßstäbliches oder auch 1:1 Anschauungs-Modell, das jedoch keine oder lediglich stark eingeschränkte Funktionen abbildet und in erster Linie einen realistischen Eindruck des geplanten Aussehens vermittelt.

In der Gestaltung von Software-Anwendungen werden häufig statische Layout-Ansichten erstellt, die Vorgaben aus Styleguides und Corporate Design Manuals berücksichtigen, um einen nachvollziehbaren Eindruck des geplanten Look and Feels zu vermitteln.

Anforderungen an Verhalten und Interaktion spielen hier eine untergeordnete Rolle und werden funktional nicht simuliert

oder lediglich statisch z. B. in Form von Klick-Strecken dargestellt.

Prototypen testen

Je nach simuliertem Funktionsumfang können auch hier Nutzertests mit entsprechender Moderation durchgeführt werden, um frühzeitig zu überprüfen, ob die Anwendung ihren gewünschten Zweck erfüllt. Aus Sicht der technischen Entwicklung kann die Machbarkeit entsprechend frühzeitig überprüft werden, um die Einhaltung von Zeit- und Kostenrahmen für die Produktentwicklung abzusichern.

Das Prototyping kann – in Abhängigkeit von den Projektanforderungen und -zielen – auch bis hin zu „high-fidelity Prototypes“ fortgeführt werden. Hier wird die Anwendung mit Prototyping-Software im finalen Entwicklungsstand simuliert. Das bedeutet, dass Funktionsumfang und Verhalten nahezu komplett abgebildet werden, auch im finalen Design. Damit fühlt sich der Prototyp wie eine echt funktionierende Software an und kann umfänglich auch hinsichtlich Look and Feel getestet werden.

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Usability Grundlagen-Seminar
Seminar zur anschließenden Zertifizierung (optional) mit Abschluß CPUX-F (Certified Professional for Usability and User Experience – Foundation Level) nach dem international anerkannten Standard des UXQB (International Usability and User Experience Qualification Board).
Mo., 07. und Di., 08. September 2020 in Rechenberg bei Dinkelsbühl
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Das Seminar findet im Landhotel Rössle, Ortsstraße 22, in 74597 Stimpfach-Rechenberg ( Baden-Württemberg) statt.

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Zusammenfassung

  • schaffen eine sehr frühe und sehr kostengünstige Vision einer digitalen Lösung zur Überprüfung auf Machbarkeit und Sinnhaftigkeit allgemein
  • erleichtern die Kommunikation in Projekten erheblich – vor allem, wenn verschiedene Fachexperten beteiligt sind,
  • erlauben das frühzeitige Testen der geplanten Software durch Nutzer, was die Produktqualität erheblich erhöht und hilft, unnötige Funktionen einzusparen,
  • erlauben die Abbildung in unterschiedlichen Funktionstiefen und Produktumfang,
  • stecken den Produktumfang zügig, frühzeitig und nachvollziehbar für alle Beteiligten ab – ohne lange Konzeptbeschreibungen (Funktionalität wird im Projektverlauf anhand entsprechender User Stories spezifiziert und abgegrenzt)